Gemeinnützige Arbeit der Asylbewerbenden beim Bau- und Betriebshof

Normalerweise holt Jerome Makachi seine Arbeitstruppe beim Bau- und Betriebshof der Stadt Bad Honnef um 7:00 Uhr morgens im Betriebsgebäude in der Berck-sur-Mer-Straße ab, außer er selbst muss um 5:00 Uhr schon zum Winterdienst. Jerome Makachi ist bei der Stadt Bad Honnef angestellt und leitet die zur gemeinnützigen Arbeit verpflichteten Flüchtlinge an. Er fährt sie mit dem Lkw zu den Einsatzorten, an denen gemeinsam für Ordnung und Sauberkeit gesorgt wird.

Eine regelmäßige Arbeitsmöglichkeit zu haben, hilft bei der Integration. Der Tagesablauf ist strukturierter. Der Lerneffekt ist groß, denn wer in Kontakt mit Kollegen steht, lernt die deutschen Begriffe für die Werkzeuge schnell und nachhaltig und ganz allgemein werden Kenntnisse und Informationen weiter gegeben. Die Arbeit stärkt das Selbstwertgefühl.

Die Truppe um Jerome Makachi ist bereits ein eingespieltes Team und es bedarf nur kurzer Anweisungen. Los geht es jeden Morgen in der Bahnhofstraße, über die Fußgängerzone zum Markt. Der Müll wird aufgesammelt, es wird gefegt. Auch wenn diese Strecke Tag für Tag abgefahren und gesäubert wird, ist es erstaunlich, wie viel Unrat bereits in diesen Straßen auf die Ladefläche des Lkws geladen werden muss. Zwei Asylbewerbende hat Jerome Makachi in dieser Woche dabei. Ismac Entsieblankson und Bala Moxammed kommen beide aus Ghana (Westafrika). Zum Bauhof gehört Björn Jonen, der im Sommer ins Freitzeitbad wechselt und dort für Sauberkeit sorgt. Victor Penerna, ursprünglich aus Portugal, arbeitet zur Aushilfe.

Ismac Entsieblankson ist seit September 2015 in Deutschland und hat erst in Aegidienberg gewohnt, wo er das Wetter als deutlich unangenehmer empfunden hat. Die Arbeit für den Bauhof findet er gut. Er meldet sich immer, nimmt jede Gelegenheit wahr, eingesetzt zu werden, bestätigt er. Sein handwerkliches Geschick hilft, wenn er den Laubbläser anwirft. In seinem Heimatland war er Fahrer und sein Traum sei es, so sagt er, auch hier Busfahrer werden zu können. Er wirkt resigniert, wenn er darüber spricht, denn die Hürden, diesen Beruf zu ergreifen, erscheinen ihm hoch. Ein Berg von Anforderungen ist zu erfüllen: Denn er ist sich nicht sicher, ob er in Deutschland bleiben darf. Er spricht gut Englisch, trotzdem ist das Erlernen der deutschen Sprache eine Aufgabe, die erst einmal bewältig sein will. Er müsste die Führerscheinprüfungen ablegen. Hört man ihm zu, kann man ahnen, wie viel Mut, Durchsetzungskraft und Stärke nötig ist, sich nach dem unfreiwilligem Verlassen der Heimat in einem fremden Land auf einem anderen Kontinent zu behaupten.

Das internationale Café in der Luisenstraße hat auch Bala Moxammed einige Male besucht. Er ist seit sieben Monaten in Deutschland. Er kämpft mit der deutschen Sprache. Die Arbeit für den Bauhof sei normal, sagt er. Welche berufliche Richtung er einschlagen möchte, weiß er noch nicht. Für beide Männer gilt, dass sich auf ihrem Weg vom Heimatland bis nach Deutschland nichts als sicher erwiesen hat und sie eventuelle Pläne immer wieder von jetzt auf gleich aufgegeben mussten.

Die Asylbewerbenden werden vergleichbar bezahlt wie ein 1-Euro-Job. Die Entlohnung dient der Motivation. Gesucht werden weiterhin gemeinnützige oder staatliche Organisationen, die Flüchtlinge beschäftigen können. Bei der Stadtverwaltung Bad Honnef werden Angebote zur gemeinnützigen Arbeit gerne angenommen und vermittelt.

Die Männer sind jeden Tag bis zu acht Stunden bei Wind und Wetter draußen. Für die Truppe vom Bauhof hat außerdem täglich wechselnde Aufgaben: In der Franz-Josef-Schneider wird die Straße gefegt. Vom Sturm abgebrochene Äste sind über dem Spielplatz verteilt und sie müssen aufgesammelt werden. In der Austraße an der Wand zur B42 hat sich beträchtliches Laub gesammelt. Die Bäume werden vom Efeu befreit, damit es sie nicht ersticken. Nach jedem Arbeitsabschnitt sehen die Plätze sauber und gepflegt aus. Jerome Makachi erklärt: „Das Schlimmste ist das Glas, zerbrochene Flaschen, an denen sich Kinder, Fußgänger und Hunde verletzten können.“

Die Asylbewerbenden lachen mit den Kollegen. Sie wünschen sich eine Zukunftsperspektive und sicher bleiben zu können, damit sie ihr Leben in die Hand nehmen können.

Gerome Makachi selbst ist 1997 aus Nigeria nach Deutschland gekommen. Er ist etabliert und in Bad Honnef angekommen. Rücksichtsvoll lenkt er den Lkw durch die Stadt. Er grüßt sehr oft die Fahrer anderer Autos von der Stadtverwaltung und vom Bauhof oder Passanten. Das freundliche Hallo und sein ansteckendes Lachen ist bekannt in der Stadt und wird erwidert.

Text/Foto: Christine Pfalz

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